PROMs in der
Krebsbehandlung.
Welche validierten Fragebögen in der Onkologie gebräuchlich sind, wie man das passende Instrument nach Zweck auswählt, in welchem Takt erhoben wird, wie Ergebnisse zu interpretieren sind und wo die Grenzen patientenberichteter Messung liegen.
Fachliche Information für Behandlungsteams, Klinik-IT und Versorgungsforschung. Dieser Beitrag beschreibt ein Verfahren der onkologischen Versorgung und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die zitierten Studien stammen aus unabhängiger Forschung; ihre Ergebnisse beziehen sich nicht auf OnkoPass.
Ein PROM (Patient-Reported Outcome Measure) ist das standardisierte, psychometrisch geprüfte Messinstrument, mit dem eine Angabe der erkrankten Person zu Symptomen, Funktionsfähigkeit oder Lebensqualität erhoben wird. Für die Onkologie existiert eine überschaubare Zahl etablierter Instrumente, die sich weniger in ihrer Qualität als in ihrem Zweck unterscheiden:
- PRO-CTCAE (Patient-Reported Outcomes version of the Common Terminology Criteria for Adverse Events) für die Erfassung symptomatischer Nebenwirkungen,
- EORTC QLQ-C30 (Quality of Life Questionnaire Core 30 der European Organisation for Research and Treatment of Cancer) und FACT-G (Functional Assessment of Cancer Therapy, allgemeine Fassung) für die gesundheitsbezogene Lebensqualität,
- ESAS (Edmonton Symptom Assessment System) und MDASI (M. D. Anderson Symptom Inventory) für die kompakte Symptomlast,
- PROMIS (Patient-Reported Outcomes Measurement Information System) für flexibles Messen mit Itembanken und Kurzformen,
- EQ-5D-5L (EuroQol, fünf Dimensionen, fünf Stufen) für gesundheitsökonomische Auswertungen.
Typische Fehler bei der Einführung betreffen weniger die Wahl des einzelnen Fragebogens als die Vermischung mehrerer Zwecke in einem Set, die Frequenz, die Interpretation von Punktwerten und den Umgang mit fehlenden Antworten.
Deutsche Evidenz zuerst: Was bringen PROMs in der Onkologie?
Für Deutschland liegt seit 2026 Evidenz aus einer randomisierten Studie vor: In der Studie PRO B an 52 Brustkrebszentren senkte ein wöchentliches elektronisches PRO-Monitoring mit Reaktion durch das Behandlungsteam unter anderem Fatigue nach sechs Monaten in klinisch relevantem Ausmaß. Der Innovationsausschuss beim G-BA hat im Juni 2026 empfohlen, das Konzept in die Regelversorgung zu überführen.3233
Was unterscheidet PRO, PROM und ePRO?
Drei Begriffe werden im Klinikalltag häufig gleichgesetzt, bezeichnen aber unterschiedliche Ebenen.
- PRO (Patient-Reported Outcome)
- Das Ergebnis selbst, also jede Angabe zum Gesundheitszustand, die direkt von der erkrankten Person stammt, ohne Interpretation durch Ärztin, Arzt oder Pflege. Im deutschsprachigen Raum etabliert sich dafür zunehmend der Begriff „patient*innenberichtete Gesundheitsdaten“.5265
- PROM (Patient-Reported Outcome Measure)
- Das standardisierte Messinstrument, mit dem ein PRO erhoben wird. Vereinfacht gesagt: Das PRO ist das, was gemessen wird, das PROM ist das Werkzeug, mit dem gemessen wird. Zu einem PROM gehören vier Bausteine: festgelegte Einzelfragen (Items) mit genauem Wortlaut, eine Antwortskala (etwa von „überhaupt nicht“ bis „sehr“), eine Auswertungsregel, nach der aus den Antworten ein Punktwert entsteht, und eine psychometrische Prüfung, die belegt, dass der Fragebogen zuverlässig misst, was er messen soll. Ein bekanntes Beispiel ist der EORTC QLQ-C30: 30 Fragen zu Beschwerden wie Müdigkeit, Schmerz oder Übelkeit und zu Alltagsfunktionen, deren Antworten zu Skalen von 0 bis 100 verrechnet werden. Eine selbst formulierte Frage wie „Wie geht es Ihnen heute?“ ist dagegen kein PROM, auch wenn sie inhaltlich ähnlich klingt: Ohne geprüften Wortlaut und feste Auswertung lassen sich die Antworten weder zwischen Personen noch über die Zeit verlässlich vergleichen. Welche Gütekriterien ein Instrument erfüllen muss, beschreibt der Abschnitt „Was macht ein Instrument zu einem PROM?“.
- ePRO (electronic PRO)
- Die elektronische Erhebung patientenberichteter Angaben, etwa per App, im Webbrowser, auf einem Tablet im Wartezimmer oder über ein automatisches Telefonsystem. Gemeint ist also der Erhebungsweg, nicht der Fragebogen. Der eigentliche Vorteil liegt darin, was nach dem Ausfüllen passiert: Die Antworten liegen sofort digital vor und lassen sich automatisch auswerten. In den randomisierten Studien zum Symptommonitoring wurden auffällige Werte deshalb meist direkt an das Behandlungsteam gemeldet, damit es zeitnah reagieren kann.
Fragebogen und Erhebungsweg sind damit zwei getrennte Entscheidungen: Derselbe Fragebogen kann auf Papier oder elektronisch ausgefüllt werden. In der Praxis werden beide trotzdem häufig vermischt: Bringt ein elektronisches System eine eigene, nicht geprüfte Fragensammlung mit, ist zwar der Weg digital, das Ergebnis aber kein PROM im Sinne der Definition oben. Eine ausführliche Darstellung des elektronischen Erhebungswegs und der dazu vorliegenden randomisierten Evidenz findet sich im Beitrag zu ePRO in der Onkologie.
Warum lässt sich die Selbstauskunft nicht ersetzen?
Die Begründung für PROMs ist keine Frage der Haltung, sondern eine Messfrage. Ärztliche Einschätzungen und Selbstauskunft stimmen bei subjektiven Nebenwirkungen nur schwach überein.
Eine Auswertung von drei randomisierten Studien (Di Maio et al. 2015) mit 1.090 Personen und 2.482 Zyklen verglich die Erfassung von sechs symptomatischen Toxizitäten durch Prüfärztinnen und Prüfärzte mit der Selbstauskunft derselben Personen über die Lebensqualitätsfragebögen der EORTC. Die von ärztlicher Seite berichteten Raten lagen durchgehend niedriger. Bei Personen, die eine Toxizität angegeben hatten, wurde diese in 40,7 bis 74,4 Prozent der Fälle ärztlich nicht dokumentiert. Selbst bei der höchsten Antwortstufe („very much“) fehlte die ärztliche Dokumentation noch in 13,0 bis 50,0 Prozent der Fälle.1
Eine ältere Arbeit (Fromme et al. 2004) mit 37 Männern mit metastasiertem Prostatakarzinom, die im Rahmen einer Phase-II-Studie eine Chemotherapie erhielten, verglich acht Symptome aus dem QLQ-C30 mit dem ärztlichen Nebenwirkungsprotokoll der Studie. Die Übereinstimmung war nur gering (Cohens Kappa 0,15), und zwar in beide Richtungen: Die ärztliche Dokumentation erfasste weniger als die Hälfte der im Fragebogen erkennbaren neuen oder verschlechterten Symptome, verzeichnete umgekehrt aber auch Symptome, die im Fragebogen nicht auffielen.2 Die Konsequenz daraus ist nicht, dass die klinische Beurteilung ersetzt werden soll, sondern dass sie ohne strukturierte Selbstauskunft unvollständig bleibt.
Dass das Muster nicht auf Studien beschränkt ist, zeigt eine europäische Querschnittsstudie (Laugsand et al. 2010) mit 1.933 Paaren aus erkrankter Person und behandelnder Fachkraft in elf Ländern: Moderate oder starke Schmerzen berichteten 67 Prozent der Befragten, die Behandelnden schätzten sie bei 47 Prozent so ein; bei Fatigue lagen die Werte bei 71 gegenüber 54 Prozent. Die Übereinstimmung auf individueller Ebene war nur moderat.54
Welche Rolle die Rückmeldung spielt, zeigt eine randomisierte Studie (Velikova et al. 2004) mit 286 Personen bei 28 Onkologinnen und Onkologen. Die gesundheitsbezogene Lebensqualität war in beiden Befragungsgruppen besser als in der Kontrollgruppe ohne Befragung vor dem Termin, und zwar mit und ohne Rückmeldung der Ergebnisse an die Ärztin oder den Arzt; die beiden Befragungsgruppen unterschieden sich darin nicht signifikant. In der Gruppe mit Rückmeldung wurden chronische unspezifische Symptome häufiger besprochen, ohne dass die Konsultation länger dauerte, und ein besseres emotionales Befinden hing mit der Rückmeldung zusammen, nicht mit dem bloßen Ausfüllen des Fragebogens.3
Merksatz. Ein PROM ist ein Messinstrument, kein Formular. Ein Teil seines Nutzens zeigt sich erst dort, wo das Ergebnis jemanden erreicht, der darauf reagieren kann. Die genannten Ergebnisse stammen aus unabhängiger Forschung und beziehen sich nicht auf OnkoPass.
Was bringt regelmäßiges PRO-Monitoring? Stand der Evidenz 2026
Randomisierte Studien zum Nutzen von PROMs in der Versorgung untersuchen meist nicht ein einzelnes Instrument, sondern ein Verfahren: regelmäßige elektronische Abfrage, automatische Hinweise bei Verschlechterung und eine festgelegte Reaktion des Behandlungsteams. Die Studienlage ist im Beitrag zu ePRO in der Onkologie ausführlich dargestellt. Drei aktuelle Arbeiten sind für Entscheidungen in Deutschland besonders relevant.
PRO B (Deutschland). In einer randomisierten Studie an 52 Brustkrebszentren mit 924 randomisierten Patientinnen (909 in der Hauptanalyse) mit metastasiertem Mammakarzinom beantwortete die Interventionsgruppe wöchentlich per Smartphone Kurzformen der computeradaptiven EORTC-Itembank. Bei vordefinierter Verschlechterung ging ein Hinweis an geschulte Pflegekräfte oder Ärztinnen und Ärzte, die innerhalb von 48 Stunden telefonisch Kontakt aufnahmen. Nach sechs Monaten lag die Fatigue um 5,4 Punkte (T-Score) niedriger als in der Regelversorgung und damit oberhalb der minimal klinisch bedeutsamen Differenz von 3,3 Punkten; die körperliche Funktionsfähigkeit war um 4,0 Punkte besser. Der Unterschied in der globalen Lebensqualität (0,8 Punkte) blieb unterhalb der Relevanzschwelle. Die Autorinnen und Autoren raten zu vorsichtiger Interpretation, weil die Nachbeobachtung zwischen den Gruppen unterschiedlich verlief und die Ausgangswerte erst nach der Randomisierung erhoben wurden; teilnehmen konnten zudem nur Patientinnen mit Smartphone und ausreichenden Deutschkenntnissen.32 Weil die Studie in mehr als 50 Zentren lief und nicht nur in einzelnen forschungsintensiven Zentren, erlaubt sie Rückschlüsse auf die Übertragung in die Breite der Versorgung: Umsetzbar war das Verfahren nicht nur in fallzahlstarken Universitätskliniken, sondern in Brustkrebszentren unterschiedlicher Größe, Trägerschaft und Forschungsaktivität.5266 Nach Angaben der Charité mussten die Patientinnen der Interventionsgruppe zudem seltener im Krankenhaus behandelt werden.34 Im unabhängigen Evaluationsbericht war auch das 12-Monats-Überleben höher (88 gegenüber 85 Prozent; adjustierte HR 0,71); in der Hauptpublikation ist dieser Endpunkt nicht berichtet.62 Auf Basis der Studienergebnisse und einer gesundheitsökonomischen Analyse hat der Innovationsausschuss beim G-BA im Juni 2026 empfohlen, das Konzept in die Regelversorgung zu überführen.3334
PRO-TECT (USA). In einer cluster-randomisierten Studie an 52 onkologischen Praxen mit 1.191 Personen mit metastasierter Erkrankung zeigte wöchentliches Symptommonitoring keinen Überlebensvorteil (HR 0,99), verlängerte aber die Zeit bis zum ersten Notfallbesuch (HR 0,84) sowie die Zeit bis zur Verschlechterung von körperlicher Funktion, Symptomen und Lebensqualität.40
SYMPRO-Lung (Niederlande). In einer cluster-randomisierten Stepped-Wedge-Studie an 14 Zentren mit Lungenkarzinom aller Stadien war wöchentliches Online-Symptommonitoring in einer nachträglichen Langzeitanalyse mit längerem Gesamtüberleben assoziiert (medianes Überleben 26 gegenüber 21 Monaten; HR 0,80, 95-Prozent-KI 0,63 bis 1,00). Als Post-hoc-Analyse ist das Ergebnis hypothesengenerierend.61
Die ESMO-Leitlinie von 2022 empfiehlt digitales Symptommonitoring mit PROMs während systemischer Tumortherapie mit dem höchsten Evidenz- und Empfehlungsgrad [I, A]. Als Kernmerkmale nennt sie unter anderem die Abfrage über Web, App oder Telefon, validierte Symptomfragen, Erinnerungen an die Patientinnen und Patienten sowie automatische Hinweise an das Behandlungsteam bei schweren oder sich verschlechternden Symptomen. Empfohlen werden vorrangig Systeme, deren Nutzen in randomisierten Studien belegt ist; andere Systeme nur bei vergleichbarer Funktionalität [V, B].3952
In einem deutschen Übersichtsbeitrag (van Oorschot 2025) gilt die digital gestützte Erfassung mit Rückmeldesystem an die Behandelnden für das Therapiemonitoring inzwischen als Goldstandard. Voraussetzung sind angemessene Ressourcen für Screening, Abklärung und Intervention.64
Einordnung. Die drei Studien belegen den Nutzen eines Gesamtverfahrens unter Studienbedingungen. Sie zeigen nicht, dass jedes Instrument oder jede Anwendung dieselben Effekte erzielt. Die Ergebnisse stammen aus unabhängiger Forschung und beziehen sich nicht auf OnkoPass.
Was macht ein Instrument zu einem PROM?
Ein selbst zusammengestellter Fragebogen ist kein PROM. Die International Society for Quality of Life Research (ISOQOL) hat Mindeststandards formuliert, die ein Instrument erfüllen sollte, um für die Bewertung von Versorgung oder Interventionen verwendet zu werden.4 Sie lassen sich auf sechs Punkte verdichten.
- Dokumentiertes Konstrukt und Messmodell. Es muss festgelegt und begründet sein, was gemessen wird, welche Items zu welcher Skala gehören und wie ein Summenwert gebildet wird.
- Reliabilität. Die Zuverlässigkeit einer Skala muss belegt sein, etwa als interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) oder als Wiederholungszuverlässigkeit über kurze Zeiträume. Für Gruppenvergleiche sollte sie nach den ISOQOL-Mindeststandards möglichst bei 0,70 oder darüber liegen; dieselbe Schwelle nennt die Validierungsstudie des QLQ-C30 als Mindeststandard, die dort nicht alle Skalen erreichten (etwa die Rollenfunktion).45
- Validität. Es muss gezeigt sein, dass das Instrument misst, was es messen soll: inhaltlich (entwickelt mit Betroffenen, nicht am Schreibtisch) und im Zusammenhang mit anderen Größen wie Allgemeinzustand oder etablierten Fragebögen.
- Änderungssensitivität. Ein Instrument, das eine tatsächliche Verschlechterung nicht abbildet, ist für die Verlaufskontrolle unbrauchbar, selbst wenn es zuverlässig misst.
- Interpretierbarkeit. Zu einem Punktwert muss es eine Einordnung geben, also Referenzwerte und einen Anhaltspunkt dafür, welcher Unterschied überhaupt bemerkbar ist.
- Übersetzungsqualität und zumutbarer Aufwand. Eine Übersetzung muss nach anerkanntem Verfahren erstellt und geprüft sein. Eine wörtlich übertragene Fassung ohne kulturelle Anpassung ist kein validiertes Instrument mehr.
Praktisch heißt das: Wer Items eines validierten Fragebogens umformuliert, ihren Zeitbezug oder die Antwortskala verändert oder einzelne Items innerhalb einer Skala weglässt, verlässt den geprüften Bereich und kann sich auf die publizierten Gütekriterien und Referenzwerte nicht mehr berufen. Das Auswählen einzelner Items oder Skalen ist dagegen bei manchen Instrumenten ausdrücklich vorgesehen: Bei PRO-CTCAE richtet sich die Auswahl nach dem erwarteten Nebenwirkungsprofil des Regimes.6 Bei den Fragebögen der EORTC lassen sich einzelne Items oder Skalen aus Modulen verwenden; der Wortlaut der Fragen, ihr Zeitbezug und die Reihenfolge der Items in einem validierten Fragebogen dürfen aber nicht verändert werden.7
Welche PROMs sind in der Onkologie gebräuchlich?
Die folgende Übersicht enthält die Instrumente, die in der onkologischen Versorgung und in Studien tatsächlich verbreitet sind. Sie ersetzt keine Auswahlentscheidung, sondern ordnet die Kandidaten nach Zweck.
| Instrument | Umfang | Was es misst | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| EORTC QLQ-C30 seit 1993 |
30 Items | Fünf Funktionsskalen, drei Symptomskalen, eine Skala für globalen Gesundheitsstatus und Lebensqualität sowie mehrere Einzelitems zu Symptomen.5 Ergänzt durch entitätsspezifische Module, etwa QLQ-BR42 für Brustkrebs als Nachfolger des QLQ-BR23,8 und die computeradaptive Fassung EORTC CAT Core.7 | Standard für Lebensqualität als Studienendpunkt, Erhebung zu definierten Zeitpunkten. Die Beantwortung dauerte in der Validierungsstudie im Mittel etwa elf Minuten.5 Für Deutschland liegen aktuelle Normwerte der Allgemeinbevölkerung vor.42 Die S3-Leitlinie Supportive Therapie nennt zur Erfassung der Chemotherapie-induzierten peripheren Neuropathie das Zusatzmodul QLQ-CIPN20.69 |
| PRO-CTCAE NCI |
Bibliothek mit 124 Items zu 78 Symptomen, Auswahl üblich | Symptomatische Nebenwirkungen aus Sicht der behandelten Person. Je Symptom werden ein bis drei Merkmale abgefragt, etwa Häufigkeit, Schweregrad und Beeinträchtigung im Alltag, bezogen auf die letzten sieben Tage.6 Gegenstück zu den ärztlich erhobenen CTCAE (Common Terminology Criteria for Adverse Events). | Symptommonitoring unter laufender Therapie, Toxizitätserfassung in Studien. Validiert an 975 Personen an neun US-amerikanischen Krebszentren und onkologischen Praxen.9 Für die deutsche Fassung wurde eine Auswahl von 31 Items zu 14 Nebenwirkungen psychometrisch validiert.10 |
| ESAS Edmonton |
8 Skalen (Originalfassung), 9 in späteren Fassungen | Kompakte Erfassung der Symptomintensität. Die Originalfassung von 1991 umfasste acht Skalen: Schmerz, Aktivität, Übelkeit, Depression, Angst, Schläfrigkeit, Appetit und Wohlbefinden.11 Spätere Fassungen, darunter die revidierte ESAS-r, erfassen neun häufige Symptome auf Skalen von 0 bis 10.12 | Palliativversorgung, engmaschige Verlaufskontrolle bei hoher Symptomlast.11 |
| MDASI MD Anderson |
13 Kernsymptome, 6 Items zur Beeinträchtigung | Schweregrad der Symptome und ihre Auswirkung auf den Alltag. Ergänzbar um krankheits- oder therapiespezifische Items, weil einzelne Patientengruppen schwere Symptome außerhalb der Kernliste berichteten. | Symptomsurveys, klinische Studien, Verlaufsbeobachtung.13 |
| PROMIS | Itembanken, daraus Kurzformen | Generische körperliche, psychische und soziale Gesundheit, über Item-Response-Theorie kalibriert. Ziel ist, mit möglichst wenigen Items auszukommen, ohne an Zuverlässigkeit zu verlieren. | Vergleich über Erkrankungen hinweg, kurze Befragung, wenn die Belastung gering bleiben soll.14 |
| FACT-G / FACIT | 27 Items (Version 4) | Lebensqualität in den Bereichen körperliches, soziales und familiäres, emotionales und funktionales Befinden. Kern aller krankheitsspezifischen Subskalen der FACIT-Familie, bei allen Tumorarten einsetzbar.15 | Lebensqualität als Endpunkt onkologischer Studien.16 |
| EQ-5D-5L | 5 Dimensionen mit je 5 Stufen, dazu eine visuelle Analogskala (EQ VAS) | Generischer Gesundheitszustand in den Dimensionen Beweglichkeit, Selbstversorgung, alltägliche Tätigkeiten, Schmerzen und Beschwerden sowie Angst und Niedergeschlagenheit.17 Über länderspezifische Wertesätze in einen Indexwert umrechenbar, aus dem sich qualitätsadjustierte Lebensjahre berechnen lassen.18 | Gesundheitsökonomische Auswertungen, Nutzenbewertung (Health Technology Assessment), Kostenwirksamkeitsanalysen.18 |
| Distress-Thermometer | Kurzscreening | Psychosoziale Belastung in der vergangenen Woche, als Screening, nicht als Diagnostik. | Erkennen von Unterstützungsbedarf und Zuweisung zur psychoonkologischen oder psychiatrischen Abklärung.19 In zertifizierten Zentren werden zum psychoonkologischen Screening etwa das Distress-Thermometer oder die HADS (Hospital Anxiety and Depression Scale) eingesetzt.52 Die deutsche Fassung des Distress-Thermometers wurde an 475 Personen geprüft; beim üblichen Cut-off von 5 ist die Sensitivität hoch, die Spezifität mit bis zu 47 Prozent aber gering.55 |
| MARS-D / TSQM | MARS-D 5 Items21; TSQM in der Originalvalidierung 13 Items in vier Skalen | Selbstberichtete Einnahmetreue (MARS-D, deutsche Fassung der Medication Adherence Report Scale)21 beziehungsweise Zufriedenheit mit der Medikation in den Bereichen Wirksamkeit, Nebenwirkungen, Handhabung und globale Zufriedenheit (TSQM, Treatment Satisfaction Questionnaire for Medication).22 | Orale Tumortherapie, wo Adhärenz und Medikationssicherheit neben die Symptomerfassung treten. |
Wie wählt man das passende PROM? Nach Zweck, nicht nach Länge
Die Auswahl eines Instruments folgt der Frage, wofür das Ergebnis verwendet wird. Vier Zwecke kommen in der Onkologie regelmäßig vor, und sie stellen unterschiedliche Anforderungen.
Klinische Steuerung im Versorgungsalltag
Ziel ist, zwischen zwei Terminen zu erkennen, wem es schlechter geht. Gefragt ist ein kurzes, auf das Toxizitätsprofil des Regimes zugeschnittenes Set, das wöchentlich oder häufiger beantwortet werden kann. Eine PRO-CTCAE-Auswahl, die sich am erwarteten Nebenwirkungsprofil des Regimes orientiert, oder ESAS erfüllen das. Der vollständige QLQ-C30 eignet sich dafür weniger: Er wurde für die Messung von Veränderungen der Lebensqualität in klinischen Studien entwickelt, und seine Beantwortung dauerte in der Validierungsstudie im Mittel etwa elf Minuten.57 Dass sich Konstrukte der EORTC dennoch für die Steuerung eignen, zeigt PRO B: Dort wurden wöchentlich computeradaptive Kurzformen der EORTC-Itembank eingesetzt.32 Für die orale Tumortherapie wurde in den USA mit RapidPRO ein Kurzinstrument erprobt, das ESAS-Items mit Fragen zur Zuversicht im Umgang mit Symptomen und zur Einnahmetreue verbindet und in etwa drei Minuten beantwortet ist; eine deutsche Fassung ist bisher nicht publiziert, und die bisher einzige Publikation beschreibt den Einsatz in sechs Praxen in Michigan, keine psychometrische Validierung.43
Endpunkt in einer Studie
Ziel ist Vergleichbarkeit mit publizierten Arbeiten. Gefragt ist ein etabliertes Instrument in unveränderter Form, mit festgelegten Erhebungszeitpunkten und einem vorab definierten Auswertungsplan. QLQ-C30 mit passendem Modul oder FACT-G sind hier gebräuchlich, PRO-CTCAE für die Toxizitätserfassung. Für Zulassungsstudien hat die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) 2024 einen Kernsatz patientenberichteter Endpunkte beschrieben: krankheitsbezogene Symptome, symptomatische Nebenwirkungen, die Gesamtbelastung durch Nebenwirkungen, körperliche Funktion und Rollenfunktion.44 Für Protokoll, Auswertung und Berichterstattung liegen mit SPIRIT-PRO, den SISAQOL-IMI-Empfehlungen und CONSORT-PRO abgestimmte Standards vor.454647
Qualitätssicherung und Register
Ziel ist der Vergleich zwischen Einrichtungen oder über die Zeit. Gefragt ist ein Instrument, das andere ebenfalls verwenden, und eine Erhebung zu wenigen, klar definierten Zeitpunkten, etwa vor Therapiebeginn und nach drei, sechs und zwölf Monaten. Wichtiger als die Frequenz ist hier die vollständige Erfassung, weil selektiver Rücklauf den Vergleich verzerrt. Wie ein einrichtungsübergreifendes Set im Konsens festgelegt werden kann, zeigt eine Arbeit (Linmans et al. 2026) aus zehn belgischen Kliniken für Lungen- und Rektumkarzinom; ausgewählt wurden unter anderem EQ-5D-5L, QLQ-C30 und entitätsspezifische EORTC-Module.48 In Deutschland zeigen Initiativen in zertifizierten Zentren, etwa die PCO-Studie mit jährlich mehr als 10.000 Männern mit Prostatakarzinom, dass eine solche Routineerhebung grundsätzlich gelingen kann.41 Eine systematische Übersicht (Scheibe et al. 2020) fand in Europa allerdings nur fünf multizentrische Programme, die PROMs zugleich für die individuelle Versorgung und die Qualitätsentwicklung nutzen; Kosten, Personalbedarf und die Reaktion auf Ergebnisse wurden darin kaum beschrieben.58 Als Wege zur Vergleichbarkeit gelten Core Outcome Sets und konstruktbasierte, instrumentenunabhängige Skalen, über die mit verschiedenen PROMs erhobene Werte vergleichbar werden. In Deutschland treiben das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen die Standardisierung und die Medizininformatik-Initiative die Interoperabilität voran; europaweit soll das Health Outcomes Observatory (H2O) patientenberichtete Outcomes aus der Versorgung für den Europäischen Gesundheitsdatenraum bereitstellen.65
Gesundheitsökonomische Bewertung
Ziel ist ein Nutzwert, der sich in Kostenwirksamkeitsmodelle einsetzen lässt. Dafür ist ein präferenzbasiertes Instrument nötig, dessen Gesundheitszustände über einen Wertesatz in Nutzwerte übersetzt werden, bei denen 1 volle Gesundheit und 0 den Tod bezeichnet (Werte unter 0 sind möglich), etwa der EQ-5D-5L, für den auch ein deutscher Wertesatz vorliegt.18 Onkologiespezifische Fragebögen liefern einen solchen Nutzwert nicht unmittelbar. Aus dem QLQ-C30 wurde deshalb mit dem QLU-C10D (EORTC Quality of Life Utility Measure-Core 10 Dimensions) ein Klassifikationssystem als Grundlage eines Nutzwertinstruments abgeleitet.23
Häufiger Fehler. Ein Set wird für alle vier Zwecke gleichzeitig zusammengestellt und wird dadurch zu lang für die Steuerung und zu eigenwillig für den Vergleich. Sinnvoller ist ein kurzes Steuerungsset im wöchentlichen Takt plus ein längeres Standardinstrument zu wenigen festen Zeitpunkten.
Wie oft sollte erhoben werden?
Die Frequenz ergibt sich aus dem Zweck und aus dem Therapieverlauf, nicht aus technischer Machbarkeit.
- Wöchentlich ist der Takt, den die im Beitrag zu ePRO in der Onkologie dargestellten randomisierten Studien zum Symptommonitoring überwiegend verwenden. Er bildet den Verlauf zwischen zwei Terminen ab.
- Zyklusgebunden ist sinnvoll, wenn die Toxizität einem vorhersehbaren Muster folgt, etwa an Tag 3 bis 7 nach Applikation. Das kann die Zahl der Befragungen verringern.
- Ereignisgesteuert ergänzt den festen Takt: Nach einer gemeldeten Verschlechterung wird gezielt nachgefragt, statt bis zum nächsten regulären Termin zu warten.
- Zu definierten Zeitpunkten (Baseline, dann in Abständen von Monaten) gilt für Lebensqualität und gesundheitsökonomische Instrumente. Eine wöchentliche Erhebung des vollständigen QLQ-C30 erhöht die Belastung. Sollen Lebensqualitätsbereiche engmaschig verfolgt werden, bieten sich computeradaptive Kurzformen an, wie sie in PRO B eingesetzt wurden.32
Die Beantwortungsquote ist dabei der begrenzende Faktor und zugleich eine zentrale Kennzahl für die Qualität der Umsetzung. Sie sollte von Anfang an mitgeführt werden, und zwar aufgeschlüsselt nach Alter, Therapielinie und Sprache, weil ein Durchschnittswert die Gruppen verdeckt, die abbrechen. Wie stark sie schwankt, zeigt eine Übersicht (Liao et al. 2026) über 39 Programme in der Routineversorgung: Die mediane Beantwortungsquote lag bei 61 Prozent (Interquartilsabstand 47 bis 76 Prozent), niedriger unter anderem bei älteren Personen und bei Sprachbarrieren.35 Unter Studienbedingungen mit aktiver Nachverfolgung wie in PRO B lag sie bei rund 90 Prozent.32
Was bedeutet ein Punktwert? Interpretation und minimal wichtige Differenz
Ein verbreiteter Fehler bei der Auswertung ist die Gleichsetzung von statistischer Signifikanz mit klinischer Bedeutung. Dafür gibt es den Begriff der minimal wichtigen Differenz (Minimally Important Difference, MID): der kleinste Unterschied, den Betroffene selbst als Veränderung wahrnehmen.
Die klassische Arbeit dazu (Osoba et al. 1998) verglich Veränderungen im QLQ-C30 mit der subjektiven Einschätzung der Befragten und kam zu der lange verwendeten Faustregel: Werte um 5 bis 10 Punkte entsprechen einer kleinen, 10 bis 20 Punkte einer mittleren und mehr als 20 Punkte einer großen Veränderung.24
Diese Faustregel gilt inzwischen als zu grob. Eine Synthese über 21 Phase-III-Studien der EORTC mit 13.015 Personen und neun Tumorentitäten zeigt, dass die MID je nach Skala, Richtung der Veränderung, Tumorart und Auswertungsebene unterschiedlich ausfällt. Die ankerbasierten Werte lagen überwiegend zwischen 5 und 10 Punkten, eine einheitliche MID für alle Skalen und Situationen ist damit nicht haltbar.25 Für die Praxis folgt daraus, dass die verwendete Schwelle vor der Auswertung festgelegt und begründet werden muss, mit Bezug auf die Skala und die Entität.
Zwei weitere Punkte gehören zur Interpretation:
- Gruppen- und Einzelfallebene sind nicht dasselbe. Eine MID für den Vergleich zweier Studiengruppen beantwortet nicht die Frage, ab wann bei einer einzelnen Person reagiert werden sollte. Nach Angaben der EORTC sind die für Gruppen bestimmten MID-Werte für die Beobachtung einzelner Personen möglicherweise nicht präzise genug, weil sich deren Punktwerte nur in festen Stufen verändern können.7 Für die klinische Steuerung braucht es deshalb Schwellen je Symptom, die sich am Schweregrad oder an einer Verschlechterung gegenüber dem eigenen Ausgangswert orientieren. Für den QLQ-C30 hat die EORTC Quality of Life Group dafür Schwellen klinischer Relevanz (Thresholds for Clinical Importance) für fünf Funktions- und neun Symptomskalen publiziert. Sie kennzeichnen Werte, die auf ein abklärungsbedürftiges Problem hinweisen.31
- Fehlende Antworten sind selten zufällig. Wer sich schlechter fühlt, antwortet seltener. Wird der Mittelwert der Antwortenden berichtet, entsteht ein zu günstiges Bild. Die Auswertung muss den Rücklauf offenlegen und sollte mit Sensitivitätsanalysen prüfen, wie stark das Ergebnis vom Umgang mit den fehlenden Werten abhängt.
Wo liegen die Grenzen patientenberichteter Messung?
PROMs messen zuverlässig, was sie messen. Die folgenden Grenzen sind keine Einwände gegen ihren Einsatz, sondern Bedingungen für eine ehrliche Auswertung.
Response Shift
Menschen ändern im Krankheitsverlauf ihren inneren Maßstab. Was vor sechs Monaten als „starke Müdigkeit“ galt, kann heute als mittlere Ausprägung berichtet werden, ohne dass sich der Zustand gebessert hat. Dieses Phänomen ist theoretisch beschrieben und betrifft insbesondere Lebensqualitätsskalen über längere Zeiträume.26 Bei Symptomskalen mit konkretem Bezug (Häufigkeit, Schweregrad in den letzten sieben Tagen) ist der Effekt geringer als bei globalen Bewertungen.
Selektion und digitale Teilhabe
Wer an einer elektronischen Erhebung teilnimmt, unterscheidet sich von denen, die es nicht tun, unter anderem nach Alter, Sprache, Bildung und technischer Ausstattung. Das ist kein Argument gegen ePRO, es verlangt aber einen Papier- oder Telefonweg als Alternative und eine Auswertung, die die Nichtteilnehmenden ausweist statt sie zu übergehen.
Sprache und Verständlichkeit
Eine validierte Übersetzung existiert nicht für jedes Instrument in jeder Sprache. Wo sie fehlt, ist die Erhebung entweder nicht möglich oder das Ergebnis nicht mit den publizierten Referenzwerten vergleichbar. Bei Instrumenten mit vielen Items ist zusätzlich die Lesbarkeit zu prüfen, insbesondere bei eingeschränkter Gesundheitskompetenz.
Fremdauskunft
Wenn Angehörige oder Pflegende an Stelle der erkrankten Person antworten, ist das Ergebnis definitionsgemäß kein PRO mehr. In der Palliativversorgung ist das teilweise unvermeidbar, muss dann aber als Fremdeinschätzung gekennzeichnet und separat ausgewertet werden.
Kein diagnostisches Instrument
Ein auffälliger PROM-Wert ist ein Hinweis, keine Diagnose. Ein Distress-Screening ersetzt keine psychoonkologische Beurteilung, ein Symptomwert keine klinische Untersuchung. Die Bewertung bleibt beim Behandlungsteam.
Lizenzen und Nutzungsrechte
Ein Punkt, der bei Ausschreibungen und Studienplanungen regelmäßig spät auffällt: Fragebögen sind urheberrechtlich geschützt, und die Nutzungsbedingungen unterscheiden sich erheblich.
- PRO-CTCAE stellt das US-amerikanische National Cancer Institute (NCI) kostenfrei bereit. Die Nutzungsbedingungen untersagen jedoch, PRO-CTCAE ohne vorherige schriftliche Zustimmung des NCI zu verändern, zu kürzen oder zu übersetzen, und schließen den Verkauf sowie die Einbindung in zum Verkauf bestimmte Materialien aus, Bildungsmaterialien wie Bücher und Fachzeitschriften ausgenommen. Die Rechte an PRO-CTCAE und an allen Übersetzungen hält das NCI; in Veröffentlichungen ist anzugeben, dass die Nutzung über die Registrierung der Studie und die Zustimmung zu den Nutzungsbedingungen erlaubt wurde. Kommerzielle Anbieter sollten die Nutzung deshalb vorab mit dem NCI klären.27
- EORTC QLQ-C30 und die zugehörigen Module erfordern für jede Studie eine Registrierung und Genehmigung durch die EORTC Quality of Life Group. Die akademische Nutzung ist unentgeltlich, bei kommerziell gesponserten Studien fällt eine Gebühr an, die sich nach der Zahl der Teilnehmenden richtet. Für jede Nutzung als ePRO ist eine gültige Nutzungslizenz erforderlich, auch bei akademischer Nutzung.7 Die Lizenz zur Umsetzung in eine elektronische Fassung ist für akademische Studien gebührenfrei und für kommerzielle Studien gebührenpflichtig.28 Die Bedingungen für den Einsatz in der Routineversorgung sind mit der EORTC zu klären.
- FACIT-Instrumente erfordern eine Registrierung und Lizenz. Für kommerzielle Nutzung fallen Gebühren je Studie und Instrument an; über nicht kommerzielle Nutzung entscheidet FACIT im Einzelfall, für investigatorinitiierte Forschung, Studierende und klinische Nutzung werden in der Regel keine Gebühren erhoben.15
- PROMIS unterliegt den Nutzungsbedingungen von HealthMeasures, die ebenfalls vor dem Einsatz zu klären sind.
Die Klärung gehört an den Anfang eines Projekts, nicht in die Phase kurz vor dem Start. Ebenso gehört dazu die Frage, ob die elektronische Umsetzung eines auf Papier validierten Fragebogens vom Rechteinhaber freigegeben ist und welche Vorgaben dafür gelten. Die EORTC etwa stellt keine fertige elektronische Fassung bereit, überlässt die Migration den Nutzenden und gibt dafür eigene Migrationsleitlinien heraus.7
Welchen Aufwand erzeugt PRO-Monitoring im Behandlungsteam?
In einer Implementierungsstudie (Minteer et al. 2026) nannten Behandlungsteams vor allem drei Vorbehalte: den zeitlichen Mehraufwand, Haftungsfragen und die Sorge, gemeldete Symptome nicht angemessen bearbeiten zu können.49 Belastbare Zahlen zum Aufwand liefern große Studien und Programme.
- Ausfüllzeit. Wie lange die Beantwortung dauert, hängt vor allem vom Instrument ab: Für den vollständigen QLQ-C30 nennt die Validierungsstudie (Aaronson et al. 1993) im Mittel etwa elf Minuten.5 Aus der Routineversorgung gibt es dazu bisher vor allem Einzelbelege. Im PRO-Programm des Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York (Polubriaginof et al. 2025) lag die mediane Ausfüllzeit bei zwei Minuten; beantwortet wurden 52 Prozent von knapp sechs Millionen versandten Fragebögen. Der Wert mittelt allerdings über zahlreiche unterschiedliche Fragebögen aus Versorgung und Forschung und lässt sich nicht auf ein bestimmtes Instrument übertragen.36
- Hinweise an das Team. In PRO B, einer Studie mit 924 Patientinnen mit metastasiertem Mammakarzinom, löste jede achte Erhebung (12,5 Prozent) einen Hinweis aus, im Median fünf je Patientin über die gesamte Beobachtungszeit. Nach Kontaktaufnahme erforderten 48,5 Prozent keine Intervention, 44,2 Prozent wurden telefonisch gelöst.32
- Reaktionszeit und Rollen. Ebenfalls in PRO B erfolgten 85,7 Prozent der Kontakte innerhalb der vorgesehenen 48 Stunden, zwei Drittel übernahm die Studienpflege. Die Kriterien für Hinweise wurden während der Studie überarbeitet, um Sensitivität und klinische Handhabbarkeit zu verbessern.32
- Routineeinführung in Deutschland. Die DKG fordert für zertifizierte Zentren ein standardisiertes onkologisches Basisscreening auf psychosoziale und supportive Bedarfe; auch an weiteren Stellen des Zertifizierungssystems finden sich Empfehlungen zu PROs.5064 Am LMU Klinikum München wurde 2025 ein digitales Basisscreening mit 15 Items (Distress-Thermometer, Screening auf Mangelernährung, IPOS) mit Anbindung an das Krankenhausinformationssystem eingeführt. Teilgenommen haben 56,1 Prozent der eingeladenen Personen, 78,7 Prozent füllten die Fragen ohne Hilfe aus.50
- Spitzenzentrum Dresden. Am NCT/UCC Dresden wurden seit 2019 insgesamt 3.543 elektronische Screenings auf supportive Bedarfe durchgeführt, bei denen die Patientinnen und Patienten validierte Fragebögen (PROMs) selbst ausfüllen; 2024 im Mittel 138 pro Monat und damit bei mehr als der Hälfte der Zielgruppe. Fälle mit mehreren Bedarfen bespricht seit 2023 ein supportives Tumorboard. Die Autorinnen und Autoren beschreiben die Etablierung als nicht abgeschlossenen Prozess mit fortlaufenden inhaltlichen, technischen und personellen Anpassungen.67
- Screening in zertifizierten Zentren. Im Projekt KeSBa screenten 29 zertifizierte onkologische Zentren 2.963 Personen mit fortgeschrittener Erkrankung, überwiegend auf Papier (86,2 Prozent). 42,2 Prozent der Screenings waren auffällig. Das Screening war machbar, aber mit erheblichem Aufwand verbunden; als Hindernis nannten die Zentren am häufigsten fehlende Personal- und IT-Ressourcen.56
Für die Planung heißt das: Der Aufwand hängt weniger vom Fragebogen ab als von Schwellen, Zuständigkeiten und Reaktionszeiten. Hinzu kommt die Finanzierung. Nach dem White Paper der Deutschen Krebsgesellschaft werden Erhebung und Auswertung von PROs bislang nicht regelhaft vergütet. Als Hürden für eine breitere Nutzung nennt es Kosten, Informationsbedarf bei den Nutzenden, technische Schwierigkeiten und Evidenzlücken.41 Auch 2025 stehen der wachsenden Evidenz nach Einschätzung der DKG noch organisatorische und Finanzierungshürden gegenüber.52
Wie führt man PROMs in der Ambulanz ein? Die Reihenfolge
Aus publizierten Umsetzungen lässt sich die folgende Reihenfolge ableiten. Die Schritte fassen Erfahrungen unabhängiger Einrichtungen zusammen und beschreiben nicht den Funktionsumfang von OnkoPass. Als zentralen Erfolgsfaktor beschreiben die Tirol Kliniken in Innsbruck nach mehrjähriger Routineerfahrung die Kombination aus strategischer Unterstützung durch die Leitung und praxisnaher Umsetzung durch engagierte Fachbereiche.63 Für die EORTC-Fragebögen gibt die EORTC Quality of Life Group zusätzlich ein Manual für den Einsatz in der klinischen Routine heraus, von der Auswahl über die Zeitpunkte bis zur Darstellung der Ergebnisse.57
- Zweck festlegen. Steuerung, Studienendpunkt, Qualitätssicherung oder Gesundheitsökonomie. Mehrere Zwecke bedeuten mehrere Instrumente, nicht ein längeres.
- Instrument wählen und Lizenz klären. Validierte deutsche Fassung, unveränderte Items, geklärte Nutzungsrechte auch für die elektronische Ausspielung.
- Items zuschneiden. Bei PRO-CTCAE das erwartete Nebenwirkungsprofil des Regimes zugrunde legen. Eine generische Liste verlängert die Befragung, ohne zum Regime zu passen.
- Frequenz und Schwellen definieren. Je Symptom festlegen, ab welchem Schweregrad oder welcher Verschlechterung das Behandlungsteam reagiert.
- Zuständigkeit benennen. Wer bearbeitet eingehende Angaben, in welchem Zeitfenster, wer vertritt. In PRO B übernahm die Studienpflege zwei Drittel der Kontakte.32
- Rückmeldung an die berichtende Person einplanen. In einer qualitativen Interviewstudie beschrieben Betroffene und Behandelnde Frust, wenn Angaben erhoben, aber nicht erkennbar genutzt wurden; die Autorinnen und Autoren empfehlen, den Rückkanal zur berichtenden Person zu schließen.29 Die Selbstauskunft stärkt die Befragten besonders, wenn Begleittexte Sinn und eigenen Nutzen erklären; auf die erhobenen PROs zugeschnittene Fragelisten für das Gespräch mit dem Behandlungsteam haben sich als wirksame Unterstützung erwiesen.68
- Dokumentationsweg klären. Werte und die darauf erfolgte Reaktion gehören in die Patientenakte, nicht in eine zweite Oberfläche. In vielen der in einem internationalen Ländervergleich beschriebenen Umsetzungen stand die Integration der Daten in Fall- oder Patientenakten im Mittelpunkt.30
- Rücklauf messen und nachsteuern. Beantwortungsquote nach Alter, Sprache und Therapielinie aufschlüsseln, bevor über Inhalte diskutiert wird.35
OnkoPass im Überblick
OnkoPass ist eine digitale Begleitung für die ambulante Tumortherapie, die Kliniken für ihre Patientinnen und Patienten lizenzieren. Symptomabfragen werden strukturiert zwischen den ambulanten Terminen ausgespielt, im Klinik-Portal zusammengeführt und übersichtlich dargestellt. Für die orale Tumortherapie kommen ein Medikationsplan mit Zykluslogik sowie Erinnerungen an Termine und offene Aufgaben hinzu. Die Anbindung an bestehende Krankenhausinformationssysteme erfolgt über FHIR R4 (Fast Healthcare Interoperability Resources, Release 4) und HL7 v2 (Health Level Seven, Version 2).
Die Bewertung klinischer Angaben verbleibt beim Behandlungsteam. OnkoPass trifft keine medizinischen Entscheidungen. Mehr dazu auf den Seiten Für Behandlungsteams und Forschung und Evidenz.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einem PROM und einem PREM?
Ein PROM misst den Gesundheitszustand, also Symptome, Funktionsfähigkeit oder Lebensqualität. Ein PREM (Patient-Reported Experience Measure) misst die Erfahrung mit der Versorgung, etwa Wartezeiten, Erreichbarkeit oder Kommunikation. PREMs dienen vor allem dem Qualitätsmanagement und weniger der klinischen Steuerung einer Therapie. In der Routine werden PREMs bisher deutlich seltener eingesetzt als PROMs.68
Welches Instrument ist das beste?
Die Frage lässt sich nicht allgemein beantworten, weil die Instrumente unterschiedliche Zwecke haben. Für das Symptommonitoring unter laufender Therapie ist eine Auswahl aus PRO-CTCAE der übliche Weg, für Lebensqualität als Endpunkt der EORTC QLQ-C30, für gesundheitsökonomische Auswertungen der EQ-5D-5L. Ein Instrument, das alles gleichzeitig leisten soll, leistet keines davon gut.
Wie viele Fragen sind zumutbar?
Eine feste Obergrenze lässt sich aus den zitierten Quellen nicht ableiten. Für die wöchentliche Erhebung im Versorgungsalltag sollte die Beantwortung nur wenige Minuten dauern. Bei PRO-CTCAE hängt die Zahl der Items von der Symptomauswahl ab, weil je Symptom ein bis drei Items gestellt werden. Längere Instrumente wie der vollständige QLQ-C30, dessen Beantwortung in der Validierungsstudie im Mittel etwa elf Minuten dauerte,5 eignen sich eher für wenige feste Zeitpunkte. Eine Meta-Analyse (Rolstad et al. 2011) fand nur einen schwachen Zusammenhang zwischen Fragebogenlänge und Rücklauf und empfiehlt, Instrumente eher nach Inhalt als nach Länge zu wählen.38 Ein internationaler Konsens (Aiyegbusi et al. 2024) formuliert 19 Empfehlungen, um die Belastung durch PRO-Erhebungen zu begrenzen, darunter eine Begründung für jede Erhebung und die Mitgestaltung elektronischer Systeme durch Betroffene.37
Darf man einzelne Fragen aus einem Fragebogen herausnehmen?
Das hängt vom Instrument und von den Vorgaben des Rechteinhabers ab. Bei PRO-CTCAE ist die Auswahl einzelner Symptome ausdrücklich vorgesehen, das Set wird auf das erwartete Nebenwirkungsprofil des Regimes zugeschnitten. Bei den Fragebögen der EORTC lassen sich nach deren Angaben einzelne Items oder Skalen aus Modulen verwenden, ergänzend auch als Itemliste aus der EORTC Item Library, die zusammen mit dem QLQ-C30 und einem validierten Modul eingesetzt wird. Der Wortlaut der Fragen, ihr Zeitbezug und die Reihenfolge der Items in einem validierten Fragebogen dürfen dagegen nicht verändert werden, und ausgewertet wird jedes Item nach der Skalenstruktur, aus der es stammt. Eine Kurzfassung des QLQ-C30 für den allgemeinen Einsatz bietet die EORTC nicht an; für die Palliativversorgung gibt es mit dem QLQ-C15-PAL eine validierte Kurzform auf Basis von Items des QLQ-C30.7
Ab welchem Punktwert muss man reagieren?
Dafür gibt es keinen allgemeingültigen Schwellenwert. Für den Vergleich mit Referenzwerten des QLQ-C30 etwa gibt es nach Angaben der EORTC keine allgemein anerkannten Schwellen, ab denen klinisch zu handeln ist, und die für Gruppenvergleiche bestimmten MID-Werte sind für die Beobachtung einzelner Personen möglicherweise nicht präzise genug.7 Für den QLQ-C30 hat die EORTC allerdings Schwellen klinischer Relevanz für 14 Skalen publiziert, die auf abklärungsbedürftige Probleme hinweisen.31 In der klinischen Steuerung werden Schwellen deshalb je Symptom festgelegt, etwa am Schweregrad oder an einer Verschlechterung gegenüber dem eigenen Ausgangswert.
Was passiert mit Personen, die nicht antworten?
Sie verdienen in der Auswertung besondere Aufmerksamkeit. Ausbleibende Antworten hängen häufig mit einem schlechteren Zustand zusammen, sodass der Mittelwert der Antwortenden ein zu günstiges Bild ergibt. In der Versorgung braucht es deshalb eine Regel, was bei ausbleibender Antwort geschieht, und in der Auswertung eine offengelegte Rücklaufquote.
Gibt es Evidenz aus Deutschland?
Ja. Die randomisierte Studie PRO B an 52 Brustkrebszentren zeigte für wöchentliches elektronisches PRO-Monitoring mit Hinweisen an das Behandlungsteam eine klinisch relevant geringere Fatigue und eine bessere körperliche Funktionsfähigkeit nach sechs Monaten.32 Für PRO-CTCAE liegt ein validiertes deutsches Kernset vor, für den QLQ-C30 liegen deutsche Normwerte vor.1042 Beim Prostatakarzinom wird PRO-Monitoring nach Operation in der randomisierten Studie PRO-P untersucht.53
Wie hoch ist die Beantwortungsquote in der Routine?
Deutlich niedriger als in Studien. In einer Übersicht (Liao et al. 2026) über 39 Routineprogramme lag sie im Median bei 61 Prozent,35 in einem großen US-amerikanischen Programm (Polubriaginof et al. 2025) bei 52 Prozent der versandten Fragebögen,36 beim digitalen Basisscreening am LMU Klinikum bei 56,1 Prozent.50 In PRO B mit aktiver Nachverfolgung lag sie bei rund 90 Prozent.32
Wie viel Arbeit machen Hinweise auf auffällige Werte?
In PRO B, einer Studie bei metastasiertem Mammakarzinom, löste jede achte Erhebung einen Hinweis aus. Knapp die Hälfte der daraufhin kontaktierten Fälle erforderte keine Intervention, die meisten übrigen ließen sich telefonisch lösen.32 Entscheidend für den Aufwand sind die festgelegten Schwellen und die Frage, wer innerhalb welcher Frist reagiert.
Werden PROMs in Deutschland vergütet?
Nach dem White Paper der Deutschen Krebsgesellschaft werden Erhebung und Auswertung von PROs bislang nicht regelhaft vergütet; auch 2025 werden Finanzierungshürden als zentrales Hindernis beschrieben.4152 Für PRO B hat der Innovationsausschuss beim G-BA im Juni 2026 eine Überführung in die Regelversorgung empfohlen;33 wie sie umgesetzt und finanziert wird, ist noch offen.
Welche PROMs eignen sich bei oraler Tumortherapie?
Für die Symptomerfassung eine auf das Regime zugeschnittene Auswahl aus PRO-CTCAE, ergänzt um die selbstberichtete Einnahmetreue, etwa mit der MARS-D.621 Ein kombiniertes Kurzinstrument für orale Tumortherapien ist RapidPRO aus den USA, für das bisher keine validierte deutsche Fassung beschrieben ist.43
Rechnet sich PRO-Monitoring?
Die Datenlage ist gemischt. Eine systematische Übersicht (Atter et al. 2026) fand fünf vollständige Kosteneffektivitätsanalysen: Zwei zeigten klare Kosteneffektivität, vor allem durch bessere Lebensqualität und weniger Krankenhausaufenthalte, drei waren unsicher.60 In einer französischen Analyse (Lizée et al. 2019) zum webbasierten Nachsorgemonitoring bei Lungenkrebs lagen die jährlichen Nachsorgekosten um 362 Euro je Person niedriger; bezogen auf die gesamten Versorgungskosten ergab sich ein inkrementelles Kosten-Effektivitäts-Verhältnis von 20.912 Euro je gewonnenem qualitätsadjustiertem Lebensjahr.59 Für PRO B ergab die gesundheitsökonomische Analyse im unabhängigen Evaluationsbericht mehr qualitätsadjustierte Lebensjahre bei geringeren Kosten.62
Welche Rolle spielen PROMs in Zulassung und Nutzenbewertung?
Eine wachsende. Die FDA hat 2024 einen Kernsatz patientenberichteter Endpunkte für Krebsstudien beschrieben,44 und EMA sowie FDA diskutieren gemeinsam mit der EORTC, wie PRO-Daten stärker in Zulassungsentscheidungen einfließen können.51 Für gesundheitsökonomische Bewertungen, etwa Kosten-Nutzwert-Analysen, sind präferenzbasierte Instrumente wie der EQ-5D-5L maßgeblich.18
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- van Oorschot B. Empowerment durch PROM: der Kontext ist entscheidend für die Wirksamkeit. Onkologie. 2025. doi:doi:10.1007/s00761-025-01761-w ↩
- Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF). S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen. Langversion 2.1, Juni 2026. AWMF-Registernummer 032-054OL ↩
Zuletzt aktualisiert am 25. September 2026. Fachlich geprüft von der JustHealth GmbH, München. Weiter zu allen Beiträgen im Wissensbereich oder zum Beitrag ePRO in der Onkologie.
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